Pandas – zu doof zum Überleben?

Wenn man das Wort „Panda“ bei YouTube eingibt, bekommt man 5.480.000 Ergebnisse. Das ist deutlich weniger als wenn man die Worte „cat“, „dog“ oder „tiger“ eingibt. (Nur so nebenbei: Ich wollte eigentlich recherchieren. Nachdem ich eine halbe Stunden lang Katzenvideos geschaut hatte, fiel mir plötzlich wieder ein, dass ich ja noch einen Blogpost schreiben wollte…). Allerdings wurde das meistgesehene Pandavideo über 216 Millionen Mal angeklickt, das meistgesehene Katzenvideo nur ca. 88 Millionen Mal. Das beliebteste Hundevideo schaffte immerhin 167 Millionen. Wir finden Pandas eben unwiderstehlich niedlich. Und die Tatsache, dass es nicht so viele Pandavideos gibt, liegt vielleicht einfach daran, dass es nicht so viele Pandas gibt. Womit ich dann auch schon beim Thema wäre: Ich vertrete die sehr unpopuläre Meinung, dass man nicht so krampfhaft versuchen sollte, den Großen Panda vor dem Aussterben zu bewahren. Seine Zeit ist gekommen, lasst ihn los. Ich habe sogar eine Begründung.

Zunächst muss ich jedoch klarstellen, dass die Zerstörung von Lebensräumen durch den Menschen die größte Bedrohung für viele wilde Tiere ist. Dazu gehören vor allem große Säugetiere wie Tiger, Leoparden, Elefanten, Nashörner, Gorillas und Orang-Utans. Wälder werden für die Landwirtschaft oder wegen der vorkommenden Bodenschätze gerodet. Chemikalien, die zum Düngen oder im Bergbau eingesetzt werden, vergiften den Boden, sodass eine Rückkehr der Natur sehr lange nicht möglich ist, selbst nachdem der Mensch aus dem Gebiet wieder verschwunden ist. Das Verschwinden vieler Arten ist die Schuld des Menschen und wir tun gut daran, dem entgegenzuwirken, vor allem durch den Erhalt von Lebensräumen.

Über den Panda muss jedoch gesagt werden, dass er wahrscheinlich einfach zu spezialisiert ist (noch dazu auf denkbar ungeeignete Weise), um noch sehr lange überleben zu können. Nehmen wir seine Ernährung: Der Panda ist ein Bär und zählt damit zu den Raubtieren. Er hat einen kurzen Darm, wie für Raubtiere üblich, ein Raubtiergebiss und alle Enzyme, die man braucht, um Fleisch zu verdauen. Leider frisst er fast nie Fleisch, sondern fast ausschließlich Bambus. Und leider hat er keine Enzyme, um Pflanzen verdauen zu können. Er hat stattdessen bestimmte Bakterien in seinem Darm, die die Pflanzenzellen aufbrechen und das bisschen Energie darin für den Bären nutzbar machen. Da der Darm, in dem diese Bakterien leben jedoch so kurz ist, haben die Bakterien kaum Zeit für ihre Aufgabe. Dementsprechend muss ein erwachsener Panda 9 – 14 kg Bambus am Tag verspeisen, um genug Energie zum Überleben zu haben. Da darf man nicht wählerisch sein und muss nehmen, was man finden kann. Das ist dem Panda aber herzlich egal, er verschmäht 1.425 der bekannten Bambussorten und frisst nur 25 Arten von Bambus. Da alle Pflanzen einer bestimmten Bambusart zur selben Zeit wachsen, blühen und dann sterben, muss ein Panda mindestens zwei seiner bevorzugten Bambusarten in seinem Lebensraum haben, damit er immer was zu fressen hat. Was für ein Mäkelfritz! Übrigens: Pandabären haben ca. 40 Mal am Tag Stuhlgang. Vierzig! Mit all dem Essen und Kacken bleibt dann auch keine Energie mehr für irgendetwas anderes. Pandas vermeiden darum aktiv sozialen Kontakt mit Artgenossen und halten sich von steilem Gelände fern. Ist ja auch viel zu anstrengend.

Dementsprechend leben Pandas alleine und tolerieren andere Pandas ausschließlich während der Paarungszeit. Das Weibchen ist allerdings nur einmal im Jahr für ca. 2 – 3 Tage empfängnisbereit. Wenn da gerade kein Männchen in der Nähe ist, wird es schwierig mit dem Nachwuchs. Doch selbst, wenn die Paarung gelingt, kann man noch nicht aufatmen. Pandababys gehören zu den verhältnismäßig kleinsten Säugetierkindern. Mit ca. 0,1 % des Körpergewichts ihrer Mutter haben sie etwa die Größe einer Ratte. Bei Geburt sind Pandajungen blind, nach sechs bis acht Wochen öffnen sich die Augen, und unabhängig werden Pandakinder im Alter von zwei Jahren. Bis dahin muss man sie erstmal durchbringen. Werden zufällig mal Zwillinge geboren, verlässt die Mutter eines der Jungtiere. Der Grund dafür ist, dass sie nicht genug Milch für zwei Babys produzieren kann. Die beinahe ausschließlich pflanzliche Ernährung versorgt den Panda schlichtweg nicht mit genug Energie und lässt auch keine Speicherung von Fett im Körper zu.

Wie jeder von den vielen niedlichen YouTube-Videos weiß, gibt es zahlreiche Versuche, Pandas in Zoos zu halten und zu vermehren. Unsummen werden darin investiert, die Bären zur Fortpflanzung zu animieren. Man zeigt ihnen Videos von kopulierenden Panda-Pärchen und gibt den Männchen Viagra. Trotz der großen Geldsummen, die in die Pandazüchtung gepumpt werden, ist der Erfolg sehr mäßig. Die Bären haben einfach keinen Bock. Das Geld wäre wohl sehr viel besser angelegt, wenn man das Land, auf dem Pandabären noch in freier Wildbahn leben, kaufen und schützen würde.

Experten streiten sich darüber, ob der Große Panda sowieso aussterben wird oder ob es allein die Schuld des Menschen ist. Pandas gibt es seit ca. 7 Millionen Jahren. Vor etwa 2 Millionen Jahren traf dieser Bär die Entscheidung für eine radikale Ernährungsumstellung von Fleisch auf Bambus, wahrscheinlich aufgrund einer Genmutation, die ihm buchstäblich den Geschmack für Fleisch raubte. Solche zufälligen Mutationen passieren ständig, in allen Lebewesen. Manchmal sind sie von Vorteil, dann entwickelt sich die Art weiter. Und manchmal sind sie eben von Nachteil, dann stirbt die Art aus. Das kommt vor, und zwar täglich. Beim Panda sehen wir es eben viel mehr als bei irgendeiner Seegurke, weil er groß und kuschelig ist. Ob das aber immer der beste Grund ist, viel Geld in die Arterhaltung zu pumpen?